Hans Wittwer

Geschichten, die das Leben schrieb

Mehrwertsteuer

Entscheidungsbaum für den Endanwender

Entscheidungsbaum für Eingangsrechnungen im Einkauf

Welches Steuerkennzeichen bei Positionen in Eingangsrechnungen verwenden?

Weist die weltweite Rechnung (egal ob vom Inland oder vom Ausland) eine schweizerische Steuernummer aus?
Ja Nein
V0, V1, V1001, V2, V3, V6, V8 und V9 sind erlaubt.

I1 ist nicht erlaubt!

Bedeutung der Kennzeichen siehe weiter vorn im Kapitel «Steuerkennzeichen».
Wo befindet sich der Sitz des Rechnungsstellers?
Im Inland Im Ausland
V0 Steht der Vermerk «Steuerfrei» drauf?
Ja Nein
V0 Welche Leistung stellt er in Rechnung?
Ware Dienstleistung
V0 I1
1 V100 wird bei Rechnungspositionen verwendet, die 100 % Steuer in Rechnung stellen. Zudem muss das Flag «nur Steuer» gesetzt werden. Dies trifft auf Ware von Auslandslieferanten zu, die keine schweizerische Steuernummer haben.
V100 darfst Du nur verwenden, wenn Du als Empfänger auf der Warenrechnung stehst! Sonst V0 und die Steuer an den Empfänger weiterverrechnen.
Die Rechnung für die Steuer folgt separat. Siehe auch in der linken Spalte bei V100. I1 repräsentiert das Reverse-Charge-Verfahren. Die Steuer muss vom Empfänger statt des Absenders deklariert und bezahlt werden.
I1 darfst Du nur verwenden, wenn Du als Empfänger auf der Dienstleistungsrechnung stehst. Sonst die Rechnung nicht erfassen und zurücksenden.

Oder anders gesagt, Dienstleistungen aus dem Ausland müssen mit I1 erfasst werden, falls weder die schweizerische Steuernummer noch «Steuerfrei» auf der Rechnung steht.

Mit Saldosteuersatz darfst Du I1 nicht anwenden. Du musst die Steuer deklarieren und bezahlen, falls Du pro Jahr mehr als für 10'000 CHF Dienstleistungen dieser Art importierst. Diese Steuer darfst Du nicht als Vorsteuer geltend machen.

Wege, wie Ware in die Schweiz kommt …

  1. Du transportierst sie selbst über die Grenze und hast kein Zollkonto: Du wirst die Steuer am Zoll bar bezahlen müssen.
  2. Du transportierst sie selbst über die Grenze und hast ein Zollkonto: Der Zoll wird Dir die Steuer in Rechnung.
  3. Du lässt die Ware über die Grenze transportieren: Der Importeur erhält die Rechnung vom Zoll und wird sie Dir weiterverrechnen.

Falls Du die Ware weiterverkaufst (Handel) oder für Deine Produktion als Rohmaterial, Halbfabrikat oder Hilfsmaterial verwendest, darfst Du mit V100 erfassen.

Falls der Lieferant eine schweizerische Mehrwertsteuernummer hat und seine Steuernummer und die Steuer auf der Rechnung steht. Sollte der Lieferant die Steuer abrechnen und Du solltest mit der Ware ungehindert über die Grenze kommen, falls dies der Zoll nicht auf eine andere Art interpretiert?

Tipp: Entscheide Dich für einen Importeur oder übe selbst, bis es allen Beteiligten passt …

Schlusswort

Ausser dem Zusammenhang bezüglich Importe, insbesondere Importe von Dienstleistungen, gehe ich für Endanwender nicht weiter ins Detail ein.

Endanwender müssen sich auf Vorschlagswerte verlassen dürfen.

Steuerkennzeichen können von der Fachstelle bei Konten oder Geschäftspartnern oder Artikeln hinterlegt oder mittels Steuerkennzeichenermittlung ad hoc berechnet und vorgeschlagen werden. Dabei sind die Auswirkungen der Interaktion zwischen überschneidenden Einstellungen in Betracht zu ziehen. Nichts für Ungeduldige, jedoch genial, effizienzsteigernd und Fehler reduzierend.

Die Geschichte mit dem Import ist hingegen ein wenig tricky. Es kommt darauf an, ob man selbst importiert oder importieren lässt oder sogar beide Fälle hat. Das erfordert ein wenig Logistik- und Finanzwissen in Kombination. Buchhalter sind bezüglich Logistik (Mengenmanagement) kaum versiert, demgegenüber sind Logistiker bezüglich Finanzen (Wertmanagement) kaum versiert. Ein gefundenes Fressen für strukturellen Egoismus und die IT soll es allein richten? Struktureller Egoismus führt garantiert in spätere Diskussionen und unnötige Nacharbeit, das möchte man möglichst vermeiden.

Hast Du Fragen? Melde Dich per E‑Mail: info@hanswittwer.ch