Hans Wittwer

Geschichten, die das Leben schrieb

Hirnverletzung und mein anderer Weg

Gefühle (Emotionen) überlagern

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Gefühle (Emotionen) überlagern Was bedeutet überlagern? Wenn sie ein Erlebnis haben, gibt es eine Emotion. Wenn sie das Erlebnis ein weiteres Mal haben, gibt es wieder eine Emotion. Die zweite Emotion weicht von der ersten Emotion ab. Ihre Reaktion in Zukunft wird eine Mischung von diesen beiden Emotionen sein. Mit der neueren Emotion überlagern sie die ältere Emotion. Überlagern sie ihre Emotionen dahingehend, dass sie ihnen nicht mehr das Leben schwer machen. Unser Hirn koppelt eine Kombination von Sinneswahrnehmungen zu Gefühlen zusammen. Unsere Sinne sind: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten sowie Temperatur, Bewegung und Gleichgewicht. Erleben Sie begeistert Geschichten: sehen, hören, riechen, schmecken, tasten sie nach Lust und Laune. Emotionen sind Erfahrungen, schöne Emotionen fühlen ist leben. Denken nützt nichts!

Wie wir auf eine Emotion reagieren, hat mit der Haltung zu tun. Nehmen Sie an, sie kommen zum ersten Mal zu spät in die Schule und der Lehrer tobt. Sie haben gelernt, «zu spät gibt Stunk». Sie wissen jetzt, wie es geht, wenn sie zu spät kommen. Wenn Ihnen das zum ersten Mal passiert, haben Sie keine Angst, weil Sie bis jetzt nicht wissen, dass es Stunk gibt. Beim zweiten Mal haben sie Angst, weil sie einen Anschiss erwarten. Sie überlegen hin und her, ob sie flüchten, «Schule schwänzen», oder erstarren «Stunk ertragen» oder angreifen «zuerst Stunk machen» sollen. Für eine dieser Lösungen werden sie sich entscheiden. Ihre Reaktion auf die Angst ist eine Frage ihrer Haltung und kann sich von Fall zu Fall ändern. Jedes Mal, wenn sie zu spät unterwegs sind, brauchen sie Energie, weil es ihnen Angst macht. Sie beginnen rasend zu denken, weil sie in Eile einen Entscheid suchen sollten. Sie möchten sich nicht entscheiden, weil alle Möglichkeiten nicht so gut sind, wie sie möchten. Anschliessend müssen sie die Konsequenzen aushalten. Stress pur.

Wie können sie diesen Energieverschleiss ausschalten? Sie können schauen, dass sie nicht zu spät kommen. Tönt gut. Ich bin vier Jahre während der Lehre um 6.05 Uhr auf den Zug gerannt und habe ihn manchmal verpasst. Meine Haltung war: Ich will ausschlafen, ich will auf den Bahnhof nicht warten, das ist Zeitverschwendung. Ich habe den Zusammenschiss in der Bude in Kauf genommen und bin beinahe aus der Lehre geflogen. Heute bin ich 10 Minuten vor einem abgemachten Termin parat.

Wie habe ich das auf die Reihe bekommen? An eine Projektsitzung, die von einem geschätzten Uni-Professor geleitet wurde, kam ich fünf Minuten zu spät. Der Professor hatte schon angefangen. Nach der Sitzung habe ich um Entschuldigung gebeten. Der Professor sagte mir bestimmt, freundlich und ruhig: «Wir haben um 10 Uhr abgemacht.» Wenn sie zu spät kommen, respektieren sie uns nicht. Sie erwarten, dass wir unsere wertvolle Zeit dafür verwenden, um auf sie zu warten. Das ist respektlos von Ihnen. Uhren wurden erfunden, damit alle Beteiligten wissen, wann 10 Uhr ist. Es ist ihre Sache, zu entscheiden, was sie unternehmen müssen, damit sie um 10 Uhr an der Sitzung parat sind. Wenn sie sehen, dass es ihnen nicht reicht, rufen sie vor 10 Uhr an, sie wissen vor 10 Uhr, dass es ihnen nicht reicht. Ich wünsche ihnen einen schönen Tag.» Das sass. Seit diesem Erlebnis ist es mir wichtig, Termine einzuhalten. Früher wollte ich ausschlafen und keine Wartezeit verplempern, deshalb war es mir nicht wichtig, Termine einzuhalten. Ich reise heute zeitig ab. Ich telefoniere vor dem Termin, wenn ich später eintreffe.

Was ist passiert? Mich hat es richtiggehend angeschissen, so faden Grad und ohne laute Stimme erklärt zu bekommen, ich sei respektlos. Für mich war «Abmachung einhalten» mit einem Schlag wichtiger als Minuten ausnützen und länger schlafen. Ich war mit einem Schlag überzeugt und begeistert von diesem Ansatz. Das ist Verhaltensprogramme überlagern. Meine Emotion «spät dran» wurde durch eine neue Geschichte überlagert, gewissermassen von aussen umprogrammiert. Ich hätte nicht nur sagen können «Ich will nicht mehr zu spät kommen», das hätte nicht geklappt, weil ich nur Nachteile (nicht mehr länger schlafen, Zeit verplempern) erlitten hätte. Bei Nachteilen hilft das limbische System nicht mit und überlagert Emotionen nicht gern. Respektvoll gewichtete mehr, darum hat mein limbisches System mitgemacht und meine Emotion «spät dran» überlagert. Seit diesem Erlebnis plane ich Reservezeit ein und werde unruhig, wenn ich nicht zum geplanten Zeitpunkt starten kann.

Schlussfolgerung III: Belastende Emotionen lassen sich durch neue Erlebnisse zu angenehmen Emotionen überlagern. Denken bringt nichts. Zwischen dem kognitiven Denkbereich besteht keine Verbindung zum Gefühlszentrum. Sie müssen den Weg über die Aussenwelt wählen und Geschichten erleben, die ihre Emotionen überlagern.

Lichtblick: Im kognitiven Denkbereich können sie sich Geschichten ausdenken, die ihre Emotionen zu ihrem Vorteil überlagern. Vergessen sie nicht, die Geschichten zu erleben, denn daran denken überlagert ihre Emotionen nicht. Daniela hat mich unterstützt, eine ganze Reihe energiefressender Emotionen zu überlagern. Emotionen überlagern geht, wenn die neue Lösung aus der Sicht vom limbischen System vorteilhafter ist als die alte. Die Sicht hängt von der Haltung ab. Haltung ist Respekt und Verantwortung.

Warum ist aufhören zu rauchen schwierig? Weil die Haltung «Nichtrauchen ist gesünder» gegen die «Nikotinsucht» selten gewinnt. Wenn sie einen lieben Schatz in Aussicht haben, der nur Nichtraucher als Partner will, gewinnt ziemlich sicher der Wunsch «beim Schatz sein» gegen die «Nikotinsucht». Das Gefühlszentrum (limbisches System) hilft, wenn «Nichtrauchen» ein schöneres Gefühl bewirkt als «Rauchen». Versuchen sie nicht, einen Nachteil willentlich durchzusetzen, sie gewinnen nicht gegen ihr limbisches System. Bieten sie ihrem limbischen System einen Vorteil und sie werden gewinnen. Energiefressende Emotionen sind «Mich hat der andere nicht gern, wenn ich nicht Leistung erbringe» oder «Mich hat der andere nicht gern, wenn ich nicht gehorche» oder «Ich bin ein Versager, sagt der andere». Das sind drei der hinterlistigsten Emotionen. Ist es Liebe, wenn sie eingespannt werden?

Lassen Sie sich Zeit. Zählen Sie ruhig und still im Sekundentakt auf 7, wenn sie können, bevor sie etwas machen oder etwas sagen. Jetzt glaubt ihr limbisches System, dass keine Gefahr herrscht und sie können mit dem Denken beginnen.

Wenn der Energiehaushalt stimmt, fühlen sie sich gut. Sie haben Zeit, zu leben und ruhig nachzudenken. Darum ist zu sich selbst schauen wertvoll. Darum hat mir dieses Coaching für meine Rehabilitation genützt. Mit Medikamenten hätte ich die Wirkung gedämpft, mit Coaching habe ich die Ursache eliminiert.

Federer hat auch einen Coach, hat Daniela gesagt.

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