Hans Wittwer

Geschichten, die das Leben schrieb

Hirnverletzung und mein anderer Weg

Gehirn

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Seit es meinem Hirn nicht mehr so geht wie früher, hat mich mein Hirn zu interessieren begonnen. Das Hirn ist kein Organ.

Als Gehirn bezeichnet man den im Kopf gelegenen Teil des Zentralnervensystems. Es liegt geschützt in der Schädelhöhle, wird umhüllt von Hirnhaut und besteht hauptsächlich aus Nervengewebe. Quelle: Wikipedia

Unsere Organe, Muskeln und Skelett zusammen mit dem Nervensystem sind ein ganzes System. Wir sind keine Maschine. Wir sind ein geheimnisvolles, wertvolles Ganzes. Wir sind ein Mensch. Wenn uns ein Organ weh tut, ist die Ursache nicht zwingend in diesem Organ zu suchen. Unsere mentale Verfassung hat Einfluss darauf, wo es uns wie viel weh tut. Wichtig ist nicht zu wissen, wie wir funktionieren. Das können wir nicht, denn wir sind keine Maschine. Wichtig ist zu wissen, dass es uns gut geht, wenn wir uns frei fühlen und gelassen unterwegs sind.

Ich habe gelesen, dass die moderne Hirnforschung seit etwa 10 bis 20 Jahren mit modernen Apparaten feststellt, dass Gehirne weniger voneinander abweichen, als man gedacht hat. Etwas müsse noch sein, dass man nicht messen kann. Die Mediziner können messen, dass es im Hirn zuckt, wenn es etwas tut.

Finger bewegen

Wie lerne ich meine Finger wieder zu bewegen?

In meinem Hirn ist ein Teil gestorben, weil die Blutbahn verstopft war und deswegen kein Sauerstoff und keine Nährstoffe in diesen Teil gelangten. Abgestorbenes Nervengewebe in meinem Gehirn erwacht nicht mehr und bleibt tot. Meine Finger konnte ich nicht mehr bewegen. Wenn nicht das ganze Hirn tot ist und die Nervenbahnen zwischen der Hand und dem Hirn intakt sind, habe ich die Möglichkeit, die Bewegungen der Hand und der Finger neu zu lernen. Das Hirn braucht dazu den nicht toten Bereich, um das abzuspeichern. Das Hirn speichert, wenn wir es reizen. Reizen ist das Stichwort, denn denken bringt nichts. Reizen heisst, mit der guten Hand den gelähmten Finger leicht bewegen. Durch die Bewegung werden Signale (Reize) erzeugt, die durch die Nervenbahnen zum Hirn geleitet und dort abgespeichert werden. So stelle ich mir das vor. So hat es bei mir funktioniert. Meine rechte Hand war vollständig gelähmt und jetzt kann ich die Hand gefühlt etwa zur Hälfte wieder einsetzen. Mit dem Bein ist es auch so. Ob ich so alt werde, dass alles wieder geht? Ich weiss es nicht. Meine Fortschritte freuen mich. Ich habe Zeit und bleibe dran. Es gibt keine Verbindung zwischen dem Bereich im Hirn mit dem Schulwissen und dem Bereich im Hirn mit den Bewegungen zum Zeigefinger. Bewegungen kann man nur von aussen über die Nervenbahnen lernen. Wie sonst könnte ein Bebe laufen lernen, wenn es zuerst in die Schule gehen müsste. Wenn sie einem Menschen das Lauberhornrennen hundertmal zeigen, lernt er nicht Ski fahren. Wenn sie ihm Skier geben und mit ihm auf dem Schnee üben, lernt er Ski fahren.

Geschmeidig denken

Was muss ich machen, dass mein Hirn nicht wegen tausender Gedanken und Gefühlen am Anschlag läuft?

Was ist viel denken? Viel denken kann sein, wenn wir lange am gleichen Thema herumstudieren. Wenn uns unangenehme Gefühle in Beschlag nehmen, verliebt sind, beschäftigt. Wenn es denkt, «wie blöd» und wir es nicht abstellen können, hat es Angst.

Was läuft ab in unserem Gehirn? Die erste Antwort, die mir weitergeholfen hat, war die Antwort auf die Frage: Was will unser Hirn? Unser Hirn will, dass es uns gut geht, dass uns nichts Schlimmes passiert. Wie macht es das? Fachleute reden von Trieb, Angst, Amygdala, Hypothalamus, Cortex und Konsorten. Ich verstehe das so: Unser Hirn speichert Geschichten und Erlebnisse ab. Das sind Gefühle (Emotionen). Wenn wir dieses Gefühl wieder haben, wählt unser Gehirn die Reaktion darauf im Nullkommanichts aus und unser Körper führt sie aus. Auf Gefühle zu reagieren, hat die erste Priorität in unserem Hirn. Denken nützt nichts. Wie wir reagieren, hängt von unseren Erlebnissen und unserer Haltung ab. Solange Emotionen wirken und diese Emotionen alle Energie für sich brauchen, können wir nicht denken und das machen, was wir denken. Eine Emotion kann Angst und als Folge davon Flucht, Angriff oder Erstarrung auslösen. «Wozu ist Angst gut?» Um uns vor Gefahren zu schützen.

Das Gefühlszentrum ist unsere Notfallzentrale, die blitzschnell reagiert, wenn Gefahr besteht oder Nikotin in den Körper muss oder spielen angesagt ist oder ein Protzschlitten in die Garage muss. Deswegen befassen sich Werbeleute und Verkäufer mit dem limbischen System, dem Gefühlszentrum.

Damit wir genügend Energie haben selbst zu denken, muss sich unser Emotionszentrum (Gefühlszentrum, limbisches System) im Bereitschaftsmodus befinden. Das heisst «Keine Gefahr in Sicht».

Liebesverlust oder Unverständnis können eine Gefahr sein. Je nach den erlebten Geschichten reagieren wir anders darauf. Emotionen (Gefühle, Geschichten) können wir selbst ändern, wenn wir neue Geschichten erleben. Davon später mehr.

Schlussfolgerung I

Stellen sie ihre Emotionen zufrieden. Achten Sie auf ihr Bauchgefühl.

Ein weiterer Bereich im Hirn, der Vorrang hat und Energie benötigt und uns vom Denken abhalten kann, sind die Triebe. Fachleute reden von fünf Überlebenstrieben. Diese Triebe regen uns an, Strategien zu suchen. Wir suchen zwangsläufig, mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, nach Lösungen, wenn ein Überlebenstrieb befriedigt werden will. Je mehr Hunger wir haben, desto einfallsreicher werden wir. Die fünf Überlebenstriebe sind: essen, trinken, atmen, schlafen, Sex (Libido befriedigen, soziale Interaktion). Damit wir genügend Energie haben, selbst zu denken, müssen diese fünf Triebe im grünen Bereich sein.

Schlussfolgerung II

Lecker essen und trinken, Spaziergang machen, genug schlafen, Sex (Libido befriedigen, soziale Interaktion)

Wenn Gefühle und Überlebenstriebe im grünen Bereich sind, können sie denken, was sie wollen. Sie können lernen, was sie wollen. Sie können das anwenden, was sie in der Schule und an Kursen gelernt haben. Kognitiver Denkbereich könnte man das nennen. Hier sei die Vernunft zu Hause, habe ich gelesen. Sie fühlen sich gut, ruhig und sind gelassen. Sie tragen Sorge zu sich. Sie tun Gutes für sich. Diesen Bereich haben wir den Tieren voraus. Tiere gehen in der Regel nicht an die Hochschule und fliegen nicht selbst auf den Mond.

Gefühle und Überlebenstriebe befriedigen, benötigt Energie. Wenn wir zu wenig freie Energie haben, ist unser Hirn überlastet, wir werden krank. Wenn Emotionen Energie fressen, haben wir die Möglichkeit, Emotionen zu überlagern. Spannende Aufgabe. Lernen sie sich kennen, üben sie mit sich, das macht Spass.

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