Hirnverletzung und mein anderer Weg
Wenn es anders zu denken beginnt
Mein Ziel war, die Welt zu verstehen. Meine Idee war, dass es den Menschen um mich herum gut geht, damit es mir gut gehen darf, weil es mir nur dann gut gehen darf, wenn es den anderen gut geht. Meine Pflicht sah ich darin, für meine Umwelt verantwortlich zu sein. Ich genügte nie allen und empfand das als Unfähigkeit, ich war mir nicht wichtig, ich war unterdurchschnittlich, ich legte mich ins Zeug mit all meiner Energie und brach zusammen. Ich kaschierte meine Unzulänglichkeit als Clown und erhaschte damit Applaus.
Von Daniela erwartete ich die «richtige» Erklärung zur Welt und die Methoden meine Umwelt zufriedenzustellen.
Was ich bei ihr gelernt und in der praktischen Anwendung erfahren habe, ist etwas komplett anderes und so verblüffend einfach und doch so schwierig zu lernen. Ich versuche, es zu erklären.
Schaue zu dir, respektiere dich, respektiere die Umwelt, übernimm die Verantwortung für das, was du tust. Tönt gut, doch was ist das genau, wie fühlt sich das an, was bedeutet das im Kontext zu meiner alten Haltung.
In mir stiegen gewaltige Abwehrgefühle auf. Was? Zu sich selbst schauen, geht es noch «Egoist» hat man mir in jungen Jahren eingehämmert und jetzt so. Ich habe Vertrauen zu ihr, soll ich oder soll ich nicht. Mir wurde in jungen Jahren auch eingehämmert, dass ich das zu tun habe, was andere sagen. Das hat mir gerade jetzt nochmals genützt und ich habe insgeheim gedacht, dass es ihr zuliebe einen Versuch wert sei. Erst später habe ich gemerkt, dass ich solche Sachen in Zukunft mutig und gelassen selbst entscheiden kann. Dass ich das am Anfang ihr zuliebe machte, ist okay. Wenn man etwas Neues versucht und es sich nicht zutraut, ist eine Vertrauensperson als Stütze eine Brücke, die man betreten kann.
Im Verlauf der Übungen habe ich gelernt und erfahren, dass ich kein Egoist bin, wenn ich zu mir schaue, weil ich den anderen nicht verbiete, zu sich selbst zu schauen. Ich habe gelernt, dass man nur dann etwas lernt, wenn man es selbst macht und sich dabei die Finger selbst verbrennt. Wenn ich es für die anderen mache, nehme ich ihnen die Gelegenheit, sich die Finger selbst zu verbrennen und nehme ihnen die Chance, etwas zu lernen. Daraus folgt, dass ich das mache, was mich betrifft, und die anderen das machen, was sie betrifft, und das hat mit Egoismus nichts zu tun. Definitionsgemäss ist ein Egoist einer, der alles für sich will und den anderen nichts lassen will. In diesem Fall ist es so, dass es mir ausserordentlich entgegenkommt, wenn andere ihre Herausforderungen selbst meistern und mich nicht einspannen. Ich entwickle mich zum Wohltäter, weil ich anderen die Chance zum Lernen nicht wegnehme. Wohltäter, statt Egoist, fühlt sich besser an.
Etwa in dieser Richtung habe ich das Konzept verstanden. Es ist meine Sache, wie ich die Welt sehe und es ist ihre Sache, wie sie ihre Welt sehen. Ich bin respektvoll zu mir, indem ich zu mir schaue und meine Entscheide selbst fälle. Ich bin respektvoll zu ihnen, indem ich respektvoll mit ihnen umgehe.
Wie sieht es aus mit alten Fehlern? Dazu eine Beschreibung meiner Gefühle während einem Gespräch mit Daniela:
Was ich sagte: «Aus heutiger Sicht hätte ich meine Haltung viel früher ändern sollen und habe viele Jahre verplempert.»
Wie sich die Reaktion von Daniela anfühlte: «Halt! Geht gar nicht, solche Gedanken sind gänzlich unnütz, sofort vergessen.» Ich lerne, dass ich damals so entschieden habe, weil ich es damals als richtig erachtet habe. Aus den Folgen alter Entscheide zu lernen, ist sinnvoll und okay. Vergangene Entscheide als Fehler zu sehen und sich deswegen schlecht zu fühlen, bringt nichts und ist reinste Energieverschwendung.
Energie scheint einen Einfluss auf das «sich fühlen» zu haben. Je mehr Energie (Benzin im Tank) ich habe, desto länger kann ich mich gut fühlen. Woher kommt die Energie? Die Energie kommt vom Essen, Trinken, atmen und schlafen.
Wenn ich Energie verschwende, geht es mir schneller nicht gut. Mit meinem Hirnschlag ist der Tank kleiner geworden, ich muss meine Energie sinnvoll einsetzen. Wie geht das?
Wie merke ich, wenn ich Energiefresser habe, die ich loswerden könnte? Wie werde ich solche Energiefresser los? Ein Messgerät mit Anzeigetafel gibt es nicht. Die Therapeutin kann das auch nicht sehen. Wie soll das denn funktionieren?
Wenn ich eine Maus in der Küche habe, kann ich eine Falle stellen oder den Grund entfernen, warum die Maus in die Küche kommt. Die Maus trinkt die Wassertropfen an den beschlagenen Leitungen. Wenn ich die Leitungen trockne, gibt es nichts zu trinken und die Maus kommt nicht mehr.
Wenn ein Energiefresser eine Maus ist, muss ich ihm das Wasser wegnehmen. Wenn der Energiefresser ein Energiefresser ist, muss ich ihm was genau wegnehmen?
Ein ständig ändernder Tagesablauf ist ein Lieblingsfressen für einen Energiefresser, es gibt Sorten von Energiefresser, die laben sich köstlich an dauernd wechselnden Tagesabläufen. Interessant ist, dass ich den Energiefresser gar nicht kennen muss. Sie müssen wissen, was der Energiefresser gerne frisst und ihm diesen Frass wegnehmen. Ein ständig ändernder Tagesplan ist das Fressen. Wie nehmen sie einen ständig ändernden Tagesplan weg? Sie planen den Tag und ändern den Plan nicht mehr. Wie mache ich einen funktionierenden Plan, wenn ich nicht weiss, was für mein neues Tankvolumen gut ist. Ich habe das so gemacht.
Während Wochen habe ich täglich von Montag bis Freitag im Feinheitsgrad von ½ Stunden aufgeschrieben, was ich gemacht und wie ich mich gefühlt habe. Grün, was mir Spass gemacht hat, Gelb, was gerade so ging und Rot, was mich überfordert hat. Gemeinsam mit meiner Therapeutin habe ich die Aufzeichnungen analysiert und schrittweise eine für mich passende Tagesstruktur erarbeitet. Ich habe diesen Plan angewendet und kontrolliert, ob ich den Plan einhalten kann und wo nötig angepasst. Nur schon dadurch, dass ich meinen Zeitplan nicht wegen jedem kleinen «Windstoss» dauernd geändert habe, gingen die Energiefresser in erstaunlichem Ausmass zurück. Mein Verhalten zu ändern brauchte viel Übung, Zeit und Geduld und hat sich ausserordentlich gelohnt. Planung ist das halbe Leben. Zuerst wollte ich das nicht glauben und habe interveniert. Wie stellen Sie sich vor, den IT-Support zu planen? Support kommt unverhofft und ist nicht planbar. Sie kenne IT-Support nicht, das sei so. Ihre Antwort kam rasch und klar. Wenn ich Arbeit mache, die nicht planbar sei, soll ich den Zeitraum festlegen, in dem ich für Supportfälle zur Verfügung stehe und das bekannt geben. Zum Beispiel: Telefonsupport von 09.00 Uhr bis 11.30 Uhr. Ausserhalb dieser Zeit gibt es keinen Support. «Das kann ich nicht!», sagte ich. Ich war 7 × 24 Stunden erreichbar und konnte mir eine andere Art, parat zu sein, nicht vorstellen. Die Umstellung tat zuerst weh und hat positiv gewirkt. Einsätze bei Kunden genau planen und einhalten. Verschiebungen womöglich vermeiden. Das braucht Mut und Übung. Genial.
Erarbeitete Tagesstruktur (Leistungsfähigkeit 50 %)
| Zeit | Tätigkeit |
|---|---|
| 21:00 – 07:00 | 10 Stunden Schlaf |
| 07:00 – 08:00 | aufstehen, Frühstück |
| 08:00 – 09:30 | Arbeit |
| 09:30 – 10:00 | Pause |
| 10:00 – 12:00 | Arbeit |
| 12:00 – 13:00 | Mittagspause |
| 13:00 – 14:00 | 1 Stunde Mittagsschlaf |
| 14:00 – 15:30 | Arbeit |
| 15:30 – 16:00 | Pause |
| 16:00 – 17:30 | Arbeit |
| 17:30 – 18:30 | Bewegen, Einkaufen |
| 18:30 – 19:30 | Nachtessen |
| 19:30 – 21:00 | Freizeit |
Grundsätze generell
- Freude stiftende Erlebnisse fördern und geniessen
- Genug schlafen und gesund und regelmässig essen
- Nach spätestens zwei Stunden Tätigkeit eine Pause einlegen
- Beziehungen zu Familie und Freunden aktiv pflegen
- Notwendiges effizient erledigen
- Unvorteilhaftes eliminieren
- Das Eine vom Anderen unterscheiden können
Grundsätze geschäftlich
- Arbeit vorausschauend planen und keine Schnellschüsse
- Notfall, wenn es ein Notfall ist
- Ausserhalb der Geschäftszeit keine Einsätze planen
- Wenn der Kunde keine Zeit hat, ist das kein Grund ausserhalb der geplanten Zeit zur Verfügung zu stehen.
- Wenn der Kunde etwas Wichtiges hat und keine Zeit hat, ist es nicht wichtig.
- Private Besuche auf die Freizeit verlegen. Ich kann es mir nicht leisten, während der Arbeitszeit private Besuche zu empfangen.
Im ersten Moment hat man Schiss, man verliere Kunden und dann stellt man fest, dass die zuverlässigen und guten Kunden bleiben, weil sie nämlich selbst planen und Zuverlässigkeit schätzen. Diejenigen, die davonlaufen, sind Kunden, die selbst nicht planen und erwarten, dass man für sie pausenlos zur Verfügung steht. Das sind Energiefresser und die wollte ich loswerden und bin sie losgeworden. Super Sache, was ich alles lerne.
Eine andere Art von nimmersatten Energiefressern sind Gedanken an unklare Situationen, Unstimmigkeiten und unerledigte Aufgaben. Mit der Magnetwand für Aufgaben- und Terminkontrolle und der Technik von klaren Abmachungen sind wir auch diesen Energiefressern einschneidend zu Leibe gerückt. Bevor ich das konnte, habe ich meine Haltung umbauen müssen. Meine alten Emotionen haben hartnäckig gewütet. Mit Unterstützung von dir habe ich sie gebändigt und erfolgreich mit eindrücklicher neuer Wirkung umgebaut. Ich bin begeistert, wie viel Freiraum das schafft. Heute, nach drei Jahren, löse ich Knacknüsse, die ich früher entweder gar nicht in Angriff genommen hätte oder mit Sicherheit in die Hosen gegangen wäre, aus eigenem Antrieb, selbstständig und erfolgreich. Es macht riesig viel Spass, mit dir weiterzuarbeiten. Mit dem Erfolg, den wir zusammen haben, behalte ich dich gerne als Coachin.
