Hans Wittwer

Geschichten, die das Leben schrieb

Hirnverletzung und mein anderer Weg

Rückblick

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Seit meinem Hirnschlag war ich keine Minute ohne Beschwerden. Muskelkrämpfe, Schwindel, Lähmung, Rückenschmerzen, entzündete Achillessehne am guten Bein, Gelenkschmerzen. In der Klinik hatte ich täglich ein Trainingsprogramm gegen die Lähmung und Schmerzen. Für mich wurde gesorgt, ich hatte Zeit, mich auszuruhen. Nach dem Aufenthalt in der Klinik nahm die mentale Belastung enorm zu und überschritt im Januar die Schmerzgrenze. Ich habe das Leben als nicht mehr lebenswert abgeschrieben und wollte sterben. Unter der Last, den Weg suchen durch den Dschungel der Gefühle, tun einem alle Glieder und Muskeln weh. Ich konnte mich nicht mehr richtig bewegen. Aufstehen, sitzen, Socken anziehen, Treppen steigen, Tasche tragen, Kinderwagen stossen, Schlüssel drehen usw. all das ging schlecht oder gar nicht. Sobald ich einen Lichtblick für die Zukunft sah, ging es mir besser. Einer der schlimmsten Faktoren ist fehlendes Geld. Nicht der Umstand, dass man im Moment kein Geld hat, ist das Problem, sondern die fehlende Perspektive, je wieder zu Geld zu kommen. Keine Kraft mehr haben, etwas zu tun. Letzte Lösung Sozialamt. Vergiss es. Mit einer eigenen Firma geht das nicht, wenn niemand die Firma kaufen will. Konkurs ohne Schulden klappt auch nicht. In der Bilanz stehen Werte, das sind Fortführungswerte. Der Liquidationswert alter Anlagen strebt gegen null. Wenn bei einer Einmannberatungsfirma der Berater fehlt, ist die Firma wertlos und tot. «Es isch zum göisse …» Die überlebenswichtigen Triebe im Menschen sind Essen, Trinken, Atmen, Schlafen und Sex. Verpflegung und ein Dach über dem Kopf benötigen Geld.

Das grausamste aller Gefühle ist, keine Perspektive zu haben, zu dem Geld zu kommen, das man zum Überleben benötigt.

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