Hirnverletzung und mein anderer Weg
Ich verstehe dich nicht!
Am 25. August 2011, etwa um die Mittagszeit, sitze ich im Büro und telefoniere mit einem Techniker der Supportabteilung eines Lieferanten, um ein Problem, das ich bei einer Kundin habe, zu lösen. Der Support-Mitarbeiter sagt: «Ich verstehe dich nicht!» Ich bin müde, kann mich nicht mehr richtig konzentrieren, versuche mir selbst zuzuhören, um mich selbst zu verstehen und verstehe mich auch nicht. Ich lalle und kann meinen Sprechapparat nicht kontrollieren. Ich verstehe, was ich denke und denke, ohne mir zuzuhören, dass ich sage, was ich denke, und wenn ich mir zuhöre, verstehe ich nichts mehr. Ich begreife nicht, was abläuft. Ich habe letzte Nacht gearbeitet und bin müde. Mit letzter Kraft reisse ich mich zusammen und sage tschüss und will mich morgen wieder melden.
Mein rechtes Bein fühlte sich wie eingeschlafen an. Das hatte ich früher schon mal, als ich zu lange sass. Der Arm surrt, das Gefühl im Kopf ist komisch, es ist mir schwindlig, ich muss an die frische Luft. Vorher meine Kundin anrufen und melden, dass es mir nicht gut geht. Sie fragt mich, was los sei und ich lallte, was ich fühlte und jetzt schlafen gehe. «Du gehst jetzt nicht schlafen! Du gehst jetzt unverzüglich zum Arzt und ich will eine Antwort, ob du gegangen bist», insistiert sie. Ja, sage ich und hänge auf.
Was zum Arzt, doch nicht wegen des Unwohlseins. Ich gehe an die frische Luft und muss mich an der Hauswand abstützen, um nicht umzufallen. Das ist nicht gut, was soll das? Auf dem Weg in die Wohnung im zweiten Stock benötige ich beide Hände, um mich an den Wänden links und rechts im Treppenhaus abzustützen, um nicht umzufallen. Nach einer kalten Dusche fühle ich mich besser, aber bis jetzt nicht gut.
Der Befehl meiner Kundin geht mir nicht aus dem Kopf. Vermutlich hat sie mir dadurch das Leben gerettet. Ich rufe beim Hausarzt an und erzähle unter grosser Anstrengung, was vorgefallen ist. «Wann hat das begonnen?», fragt die Assistentin. Etwa vor zwei Stunden – ich weiss es nicht mehr – dann der Befehl sofort zu kommen.
Der Arzt untersucht mich, füttert mir Glyzerin, befiehlt mir liegenzubleiben und ruft im Spital für einen Untersuchungstermin an. Mein Hausarzt bestellt die Ambulanz. Mit der Sanitätspolizei, Blaulicht, Blutdruckapparat im Dauerbetrieb, gesteckter Infusion und Sauerstoffschlauch in der Nase, werde ich in die Notfallaufnahme gefahren. In der Stadt ist Stau, bei den Kreiseln falle ich fast vom Schragen und bleibe drauf, weil ich angebunden bin. In der Notfallaufnahme angekommen werde ich rasch aber ruhig und konzentriert umgebettet.
